Hochwasserschutz Münchsmünster überprüft: Gutachten sieht Polder Katzau grundsätzlich sehr kritisch
Die Diskussion um den geplanten Flutpolder Katzau hat eine neue, fachlich fundierte Wendung genommen. Bei einem Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Kommunen sowie des Landkreises Pfaffenhofen stellte Prof. Dr. Sebastian Müller, Inhaber einer Professur für Hydromechanik und Wasserbau an der Universität der Bundeswehr München und neuer Gutachter der Gemeinde Münchsmünster, seine Einschätzung zum Hochwasserschutz vor. Sein Fazit ist eindeutig: Der geplante Polder sei nicht nur überholt, sondern bringe Risiken mit sich, die bislang in dieser Tragweite nicht kommuniziert wurden. An der Besprechung nahmen unter anderem Landrat Albert Gürtner, Landrats-Stellverteter Karl Huber, der BL-Fraktionsvorsitzende und Reichertshofener Bürgermeister Michael Franken und Bürgermeister Andreas Meyer (Münchsmünster) teil.
Nach Darstellung des Gutachters hätte bereits der Bau des Polders erhebliche negative Auswirkungen – insbesondere für Münchsmünster, aber auch für die Stadt Vohburg und angrenzende Ortsteile. Kritisch sieht Müller vor allem den Ausuferungsbereich der Ilm, der bei einem hundertjährlichen Hochwasser weit in den vorgesehenen Polderraum hineinreiche. Da dieser Bereich durch den Polder verbaut würde, müsste sich das Wasser neue Wege suchen – mit potenziell gravierenden Folgen für Siedlungen und Infrastruktur.
Besonders problematisch sei zudem, dass Hochwasserereignisse an Ilm, Paar und Kleiner Donau zeitgleich mit einem Donauhochwasser auftreten können. Diese Wechselwirkungen seien bislang unzureichend berücksichtigt worden. Hinzu komme der notwendige Einsatz zusätzlicher Schöpfwerke, um den Grundwasserstand im Bereich Münchsmünster beherrschbar zu halten. Diese müssten regelmäßig betrieben werden, was Risiken für bestehende Leitungen, Pipelines und Gebäude mit sich bringen könne.
Noch deutlicher wird die Kritik bei einer möglichen Flutung des Polders: Die derzeitige Planung sieht lediglich ein Ein- und Auslassbauwerk vor. Eine Durchströmung finde nicht statt – alles, was in den Polder gelange, bleibe dort. Angesichts möglicher Schadstoffeinträge aus der Donau bis hin zu belasteten Sedimenten sei dies insbesondere für landwirtschaftliche Flächen problematisch. Auch ein zusätzlicher Eintrag ins Grundwasser könne nicht ausgeschlossen werden. Die angesetzten vier Tage Flutungsdauer bezeichnete Müller als äußerst kritisch, da mit zunehmender Standzeit die negativen Auswirkungen auf Boden und Grundwasser deutlich ansteigen.
Ein weiteres Risiko sieht der Gutachter im Deich der Kleinen Donau, der im Flutungsfall von zwei Seiten unter Druck geraten würde – eine Situation, für die er baulich nicht ausgelegt sei. Eine wirksame Dammüberwachung wäre dann kaum möglich.
Die von Prof. Müller favorisierte Alternative ist ein Hochwasserschutz „in der Fläche“. Dazu zählen dezentrale, solidarische Maßnahmen entlang der Zuflüsse sowie die Nutzung bestehender Infrastruktur. Als Beispiel nannte er die Staustufen in Vohburg und Ingolstadt mit einer Gesamtkapazität von über 23 Millionen Kubikmetern – ein Volumen, das deutlich über dem des geplanten Polders liegt und andernorts bereits erfolgreich genutzt wird.
Die Ausführungen des Gutachters stießen bei den anwesenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus Münchsmünster, Vohburg, Ernsgaden, Pförring und Reichertshofen auf große Aufmerksamkeit. Münchsmünsters Bürgermeister Andreas Meyer brachte es auf den Punkt: Allein die Tatsache, dass bereits der Bau des Polders massive Nachteile mit sich bringen könne, sei neu – und erfordere ein Umdenken. Der Stellvertreter des Landrats Karl Huber und der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Michael Franken unterstrichen, dass sich inzwischen zahlreiche Kommunen dem solidarischen Hochwasserschutz angeschlossen haben, der weit über den Landkreis hinaus Wirkung entfaltet. Auf diese Entwicklung und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten solle man einen besonderen Fokus legen.
Die Bürgerliste unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich. Hochwasserschutz muss wirksam, nachhaltig und für die betroffenen Gemeinden verträglich sein. Technische Großlösungen, die neue Risiken schaffen, überzeugen ebenso wenig wie Planungen, die wichtige Erkenntnisse ausblenden. Wir setzen uns daher für einen offenen, faktenbasierten Dialog und für Lösungen ein, die den Schutz der Menschen, der Umwelt und der kommunalen Entwicklung gleichermaßen im Blick haben.